Blogbeitrag von Chrischan Bublitz, veröffentlicht am , aktualisiert am

Kommunikationsmodelle im Überblick: Sender-Empfänger-Modell, vier Ohren, Watzlawick und aktives Zuhören

Kommunikationsmodelle sind vereinfachte Darstellungen, die erklären, wie eine Nachricht entsteht, übermittelt und verstanden wird und warum dabei Missverständnisse entstehen.

Was sind Kommunikationsmodelle?

Kommunikationsmodelle beschreiben in vereinfachter Form, was geschieht, wenn Menschen sich etwas mitteilen. Sie zerlegen ein Gespräch in Bestandteile wie Sender, Nachricht, Empfänger und Beziehung und machen so sichtbar, an welcher Stelle eine Botschaft verloren gehen oder falsch ankommen kann.

Kein Kommunikationsmodell bildet ein Gespräch vollständig ab. Jedes Modell richtet den Blick auf einen bestimmten Ausschnitt: die Übertragung, die verschiedenen Bedeutungen einer Nachricht, die Regeln des Miteinanders oder das Zuhören. Erst zusammen ergeben sie ein brauchbares Werkzeug für Gespräche, Besprechungen und Präsentationen.

  • Sender-Empfänger-Modellerklärt, wie eine Nachricht von einer Stelle zur anderen gelangt und was sie dabei stört.
  • Vier-Ohren-Modellzeigt, dass jede Nachricht gleichzeitig mehrere Botschaften enthält.
  • Axiome nach Watzlawickbeschreiben Grundregeln, die in jeder Kommunikation wirken.
  • Aktives Zuhörenbeschreibt eine Haltung und Techniken, mit denen Verstehen gelingt.

Wie funktioniert das Sender-Empfänger-Modell?

Das Sender-Empfänger-Modell beschreibt Kommunikation als Übertragung einer Nachricht von einem Sender über einen Kanal zu einem Empfänger. Es geht auf Claude E. Shannon und Warren Weaver zurück, die es 1949 in „The Mathematical Theory of Communication“ für die technische Nachrichtenübertragung beschrieben haben.

Bestandteile des Sender-Empfänger-Modells
BestandteilBedeutung im ModellEntsprechung im Gespräch
InformationsquelleUrsprung der NachrichtGedanke oder Absicht der sprechenden Person
Senderwandelt die Nachricht in ein Signal um (kodieren)Worte, Tonfall, Gestik
KanalWeg, über den das Signal läuftgesprochene Sprache, Telefon, E-Mail, Folie
Störquelleverfälscht oder überlagert das SignalLärm, Ablenkung, Fachbegriffe, schlechte Verbindung
Empfängerwandelt das Signal zurück (dekodieren)Hören, Lesen, Deuten
ZielStelle, an der die Nachricht ankommen sollVerständnis der zuhörenden Person

Die Stärke des Sender-Empfänger-Modells liegt in der Frage nach Störungen: Wo kann die Nachricht unterwegs verloren gehen? Seine Grenze ist ebenso deutlich. Das Modell fragt nicht nach Bedeutung, Gefühl oder Beziehung, und genau dort entstehen die meisten Missverständnisse zwischen Menschen.

Was besagt das Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun?

Das Vier-Ohren-Modell besagt, dass jede Nachricht vier Seiten zugleich hat: Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehung und Appell. Friedemann Schulz von Thun hat es 1981 im Buch „Miteinander reden 1“ beschrieben; es ist auch als Kommunikationsquadrat oder 4-Ohren-Modell bekannt. Die sprechende Person sendet gewissermaßen mit vier Schnäbeln, die zuhörende Person empfängt mit vier Ohren.

Die vier Seiten einer Nachricht
SeiteLeitfrageMögliche Botschaft der Musterformulierung „Die Folien sind noch nicht fertig.“
SachinhaltWorüber wird informiert?Die Präsentation ist noch nicht vollständig.
Selbstkundgabe (auch Selbstoffenbarung)Was gibt die sprechende Person von sich preis?Ich mache mir Sorgen wegen des Termins.
BeziehungWie steht die sprechende Person zum Gegenüber?Ich erwarte, dass du dich zuständig fühlst.
AppellWozu soll das Gegenüber veranlasst werden?Kümmere dich bitte heute noch darum.

Das Beispiel in der Tabelle ist eine Musterformulierung: Ein einziger Satz kann auf allen vier Seiten etwas mitteilen, auch wenn die sprechende Person nur eine davon bewusst meint. Welche Botschaft ankommt, entscheidet das Ohr, mit dem zugehört wird.

Wie entstehen Missverständnisse nach dem Vier-Ohren-Modell?

Missverständnisse entstehen nach dem Vier-Ohren-Modell, wenn Sender und Empfänger auf unterschiedlichen Seiten der Nachricht unterwegs sind. Wer einen Satz sachlich meint, ihn aber beim Gegenüber auf dem Beziehungsohr landen lässt, erntet oft eine gekränkte Antwort statt einer Information.

  • Wer vor allem mit dem Sachohr hört, überhört Gefühle und Wünsche des Gegenübers.
  • Wer vor allem mit dem Beziehungsohr hört, fühlt sich schnell angegriffen, auch wenn nur eine Information gemeint war.
  • Wer vor allem mit dem Selbstkundgabe-Ohr hört, fragt sich ständig, was in der anderen Person vorgeht.
  • Wer vor allem mit dem Appell-Ohr hört, versucht jeden Wunsch zu erfüllen, auch unausgesprochene.

Das Vier-Ohren-Modell bietet deshalb eine einfache Prüffrage für schwierige Gespräche: Auf welchem Ohr habe ich das gerade gehört, und auf welcher Seite war es vielleicht gemeint? Eine kurze Rückfrage klärt das oft schneller als eine lange Diskussion.

Was sind die fünf Axiome von Watzlawick?

Die fünf Axiome von Watzlawick sind Grundannahmen über menschliche Kommunikation, die Paul Watzlawick, Janet H. Beavin und Don D. Jackson 1967 in „Pragmatics of Human Communication“ formuliert haben; die deutsche Ausgabe erschien 1969 unter dem Titel „Menschliche Kommunikation“. Das bekannteste Axiom lautet: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Die fünf Axiome in eigenen Worten
AxiomKernaussageBedeutung im Gespräch
1. Man kann nicht nicht kommunizierenJedes Verhalten teilt etwas mit, auch Schweigen oder Wegsehen.Auch wer nichts sagt, sendet eine Botschaft.
2. Inhalts- und BeziehungsaspektJede Nachricht hat einen Inhalt und sagt zugleich etwas über die Beziehung; die Beziehung bestimmt, wie der Inhalt verstanden wird.Ein Sachstreit ist oft ein Beziehungsstreit.
3. InterpunktionBeteiligte gliedern denselben Ablauf unterschiedlich in Ursache und Wirkung.Jede Seite sieht sich als Reagierende, nicht als Auslösende.
4. Digitale und analoge KommunikationMenschen teilen sich über Worte (digital) und über Tonfall, Mimik und Gestik (analog) mit.Passen Worte und Körpersprache nicht zusammen, wirkt die Botschaft widersprüchlich.
5. Symmetrisch oder komplementärBeziehungen beruhen auf Gleichheit oder auf Ergänzung, etwa zwischen Lehrenden und Lernenden.Gespräche verlaufen anders zwischen Gleichgestellten als zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden.

Die Axiome nach Watzlawick erklären vor allem, warum Gespräche festfahren können. Wer erkennt, dass ein Streit über die Sache in Wahrheit die Beziehung betrifft, kann das Gespräch auf die eigentliche Ebene lenken.

Was ist aktives Zuhören?

Aktives Zuhören ist eine Gesprächstechnik, bei der die zuhörende Person zeigt, dass sie verstehen will, und das Verstandene zurückmeldet. Das Konzept geht auf den Psychologen Carl Rogers zurück. Es beruht auf drei Grundhaltungen: Einfühlung in das Gegenüber, Wertschätzung ohne vorschnelles Urteil und Echtheit im eigenen Verhalten.

  1. Aufmerksam seinBlickkontakt halten, zugewandt sitzen, das Gegenüber ausreden lassen.
  2. ParaphrasierenDas Gehörte mit eigenen Worten wiedergeben, zum Beispiel mit der Musterformulierung „Sie meinen also, dass der Termin zu knapp ist?“.
  3. VerbalisierenDas mitschwingende Gefühl vorsichtig benennen, etwa „Das klingt, als ärgere Sie das.“ (Musterformulierung).
  4. Offen nachfragenFragen stellen, die mehr als Ja oder Nein zulassen, etwa mit „Wie“, „Was“ oder „Woran“.
  5. ZusammenfassenAm Ende eines Abschnitts die wichtigsten Punkte bündeln und bestätigen lassen.

Aktives Zuhören verlangt keine Zustimmung. Wer paraphrasiert, bestätigt nur, was er verstanden hat, nicht, dass er es teilt. Gerade das macht die Technik in Konflikten wertvoll, denn das Gegenüber fühlt sich gehört, bevor über Lösungen gesprochen wird.

Was bedeutet offene Kommunikation?

Offene Kommunikation bedeutet, dass Informationen, Meinungen und Kritik im Team ehrlich und rechtzeitig ausgesprochen werden können. Sie setzt eine Umgebung voraus, in der Fragen und Fehler angesprochen werden dürfen, ohne dass jemand Nachteile befürchten muss.

  • Ich-Botschaften statt Vorwürfen, zum Beispiel die Musterformulierung „Mir fehlt noch die Übersicht“ statt „Sie haben mir nichts geschickt“.
  • Informationen teilen, die andere für ihre Arbeit brauchen, auch wenn sie unangenehm sind.
  • Kritik an der Sache üben, nicht an der Person.
  • Rückfragen ausdrücklich erlauben und selbst stellen.
  • Entscheidungen und ihre Gründe nachvollziehbar machen.

Die gewaltfreie Kommunikation ist ein eigenes, verwandtes Konzept mit festen Schritten und wird in diesem Beitrag nicht behandelt. Offene Kommunikation lässt sich gut mit den hier beschriebenen Modellen verbinden: Das Vier-Ohren-Modell hilft beim Formulieren, aktives Zuhören beim Verstehen.

Wie helfen Kommunikationsmodelle bei der Gesprächsführung?

Gesprächsführung bedeutet, ein Gespräch bewusst zu lenken, sodass es ein Ziel erreicht und beide Seiten zu Wort kommen. Kommunikationsmodelle liefern dafür die Werkzeuge: Sie zeigen, wo eine Nachricht scheitern kann und wie sich das Verstehen prüfen lässt.

Kommunikationsmodelle in der Gesprächsführung
GesprächsphaseHilfreiches ModellAnwendung
VorbereitungSender-Empfänger-ModellMögliche Störungen vorab ausschalten: passender Ort, genug Zeit, verständliche Begriffe.
EinstiegWatzlawick, BeziehungsaspektEine freundliche Begrüßung und ein kurzer persönlicher Satz schaffen die Grundlage für den Inhalt.
KlärungAktives ZuhörenParaphrasieren und offen nachfragen, bis beide dasselbe meinen.
Schwierige StelleVier-Ohren-ModellPrüfen, auf welcher Seite eine Bemerkung gemeint und gehört wurde.
AbschlussSender-Empfänger-ModellErgebnis zusammenfassen und bestätigen lassen, damit es beim Empfänger ankommt.

Kommunikationsfähigkeit ist die Fähigkeit, sich verständlich auszudrücken, anderen zuzuhören und Gespräche so zu führen, dass sie zu einem Ergebnis kommen. Die Modelle ersetzen sie nicht, sie machen sie aber übbar, weil sie Begriffe für das liefern, was im Gespräch geschieht.

Wie helfen Kommunikationsmodelle beim Präsentieren?

Kommunikationsmodelle helfen beim Präsentieren, weil eine Präsentation eine Nachricht an viele Empfänger zugleich ist. Jedes Modell lenkt den Blick auf eine andere Frage der Vorbereitung.

  • Sender-Empfänger-ModellWelche Störungen gibt es im Raum, auf den Folien oder in der Sprache, und wie lassen sie sich vermeiden?
  • Vier-Ohren-ModellWas sagt die Präsentation neben dem Sachinhalt über die vortragende Person, über ihr Verhältnis zum Publikum und über den Wunsch, den sie an das Publikum richtet?
  • Erstes Axiom nach WatzlawickAuch vor dem ersten Satz kommuniziert die vortragende Person: durch Auftreten, Blick und Haltung.
  • Viertes Axiom nach WatzlawickWorte und Körpersprache sollten dieselbe Botschaft tragen.
  • Aktives ZuhörenIn der Fragerunde die Frage kurz wiederholen oder paraphrasieren, bevor die Antwort kommt.

Wie eine Präsentation gegliedert und mit Medien unterstützt wird, beschreibt der Beitrag Präsentationstechniken im Überblick. Auftreten, Körpersprache und Stimme behandelt der Beitrag Präsentation halten: Tipps für sicheres Auftreten, die Grundlagen der Redekunst der Beitrag Rhetorik: Bedeutung, Stilmittel und Übungen.

Gibt es einen Workshop zum sicheren Präsentieren?

Chrischan Bublitz bietet den Workshop „Von der Nervosität zur Souveränität – Sich selbst und / oder sein Thema sicher präsentieren“ an. Der Workshop dauert variabel 2, 4 oder 8 Stunden. Zu den möglichen Schwerpunkten gehören der eigene Auftritt mit Haltung, Stimme und Blickkontakt, der Aufbau eines Themas und der Umgang mit Fragen oder Unerwartetem.

Chrischan Bublitz ist in Nordrhein-Westfalen buchbar, die Preise nennt er auf Anfrage per E-Mail. Mehr zu Dauer, Schwerpunkten und Anfrage steht auf der Seite Präsentationstraining mit Chrischan Bublitz.

Häufige Fragen zu Kommunikationsmodellen

Welche Kommunikationsmodelle gibt es?

Zu den bekanntesten Kommunikationsmodellen gehören das Sender-Empfänger-Modell nach Shannon und Weaver, das Vier-Ohren-Modell nach Friedemann Schulz von Thun und die fünf Axiome nach Paul Watzlawick. Häufig wird außerdem das aktive Zuhören nach Carl Rogers dazugezählt, das eher eine Gesprächstechnik als ein Modell ist.

Was sind die vier Seiten einer Nachricht?

Nach Friedemann Schulz von Thun hat jede Nachricht einen Sachinhalt, eine Selbstkundgabe, eine Beziehungsseite und einen Appell. Sie sagt also zugleich etwas über die Sache, über die sprechende Person, über das Verhältnis der Beteiligten und darüber, was das Gegenüber tun soll.

Was bedeutet „Man kann nicht nicht kommunizieren“?

Der Satz ist das erste Axiom von Paul Watzlawick. Er bedeutet, dass jedes Verhalten in Gegenwart anderer eine Mitteilung ist. Auch Schweigen, Wegsehen oder ein verschränkter Arm werden vom Gegenüber gedeutet.

Was ist der Unterschied zwischen Paraphrasieren und Verbalisieren?

Beim Paraphrasieren gibt die zuhörende Person den Inhalt des Gesagten mit eigenen Worten wieder. Beim Verbalisieren benennt sie das Gefühl, das sie hinter den Worten wahrnimmt. Beide Techniken gehören zum aktiven Zuhören.

Wo liegt die Grenze des Sender-Empfänger-Modells?

Das Sender-Empfänger-Modell stammt aus der Nachrichtentechnik und beschreibt nur die Übertragung eines Signals. Bedeutung, Gefühle und die Beziehung zwischen Menschen kommen darin nicht vor. Diese Seiten der Kommunikation beleuchten Modelle wie das Vier-Ohren-Modell oder die Axiome nach Watzlawick.

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