Blogbeitrag von Chrischan Bublitz, veröffentlicht am , aktualisiert am

Körpersprache verstehen und bewusst einsetzen: Gestik, Mimik, Blickkontakt, Mythen und Übungen

Körpersprache ist die Verständigung ohne Worte über Haltung, Gestik, Mimik, Blickkontakt und Abstand, die das Gesagte begleitet, stützt oder ihm widerspricht.

Was ist Körpersprache?

Körpersprache ist alles, was ein Mensch ohne Worte mitteilt: wie er steht oder sitzt, wie er Hände und Gesicht bewegt, wohin er schaut und wie nah er anderen kommt. Sie läuft in jedem Gespräch mit, auch wenn niemand bewusst auf sie achtet. Deshalb spricht man auch von nonverbaler Kommunikation.

Körpersprache wirkt immer zusammen mit dem, was gesagt wird. Passen Worte und Körper zusammen, wirkt eine Aussage stimmig. Widersprechen sie sich, etwa bei einem freundlichen Satz mit abgewandtem Blick, entsteht beim Gegenüber Unsicherheit, welche Botschaft gilt.

Körpersprache ist allerdings keine Geheimsprache mit festen Vokabeln. Ein Signal hat selten nur eine Bedeutung; was es aussagt, ergibt sich erst aus Situation, Person und Gesprächsverlauf.

Welche Bestandteile hat die Körpersprache?

Die Körpersprache setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen, die gleichzeitig wirken. Wer sie einzeln kennt, kann leichter beschreiben, was in einem Gespräch wahrgenommen wird.

Bestandteile der Körpersprache im Überblick
BestandteilWas dazugehörtWorauf es ankommt
HaltungStand, Sitzposition, Haltung von Kopf, Schultern und Rückenaufrecht und locker statt steif oder in sich zusammengesunken
GestikBewegungen von Händen und ArmenGesten unterstreichen das Gesagte, statt davon abzulenken
MimikAusdruck des Gesichts, etwa Lächeln, Stirnrunzeln, hochgezogene Augenbrauender Gesichtsausdruck passt zum Inhalt und zur Stimmung des Gesprächs
BlickkontaktWohin, wie lange und wie oft jemand schautzugewandt ansehen, ohne zu starren
Raum und DistanzAbstand zum Gegenüber, Position im Raum, Bewegungein Abstand, der für beide Seiten angenehm ist
StimmeTempo, Lautstärke, Betonung und Pausendie Stimme begleitet die Körpersprache; sie gehört streng genommen zur Sprechweise

Die Stimme wird oft zur Körpersprache gezählt, weil sie ebenfalls ohne den Wortlaut wirkt. Tempo, Pausen und Betonung beim Sprechen vor Publikum behandelt der Beitrag Präsentation halten: Tipps für sicheres Auftreten ausführlicher.

Was ist der Unterschied zwischen Gestik und Mimik?

Gestik und Mimik sind die beweglichsten Teile der Körpersprache. Gestik meint die Bewegungen von Händen, Armen und Kopf, Mimik den Ausdruck des Gesichts. Beide laufen meist gleichzeitig ab und verstärken sich gegenseitig.

Gestik und Mimik im Vergleich
MerkmalGestikMimik
KörperteilHände, Arme, Kopf und SchulternAugen, Augenbrauen, Stirn, Mund
Typische SignaleZeigen, Nicken, Kopfschütteln, Schulterzucken, mit den Händen eine Größe beschreibenLächeln, Stirnrunzeln, hochgezogene Augenbrauen, zusammengekniffene Augen
Aufgabe im GesprächInhalte veranschaulichen, Aufzählungen ordnen, Zustimmung oder Ablehnung zeigenGefühle und Reaktionen sichtbar machen, Interesse oder Zweifel ausdrücken
Wie bewusst steuerbarlässt sich vergleichsweise gut bewusst einsetzenläuft häufig spontan ab und ist schwerer gezielt zu lenken
Kulturell geprägtviele Gesten haben je nach Kultur andere Bedeutungenauch wann und wie deutlich Gefühle im Gesicht gezeigt werden, folgt kulturellen Gewohnheiten

Wie setzt man Gestik und Mimik bewusst ein?

Gestik und Mimik wirken dann überzeugend, wenn sie zum Gesagten passen und nicht einstudiert aussehen. Es geht weniger darum, bestimmte Gesten zu lernen, als darum, störende Gewohnheiten abzulegen und den Händen Raum zu geben.

  • Die Hände beim Sprechen frei lassen, statt sie an einem Stift, einem Schlüssel oder am Ärmel festzuhalten.
  • Gesten im Bereich zwischen Hüfte und Schultern ausführen, wo das Gegenüber sie gut sieht.
  • Aufzählungen mit den Fingern zählen und Größen oder Abstände mit den Händen zeigen.
  • Beim Zuhören mit Kopfnicken und Mimik zeigen, dass die Aussage ankommt.
  • Nervöse Wiederholungen bemerken, etwa an die Nase fassen oder mit dem Fuß wippen, und sie nach und nach weglassen.

Warum ist Blickkontakt wichtig, im Gespräch, in Gruppen und online?

Blickkontakt zeigt dem Gegenüber, dass es gemeint ist. Wer beim Sprechen ansieht, signalisiert Aufmerksamkeit und Zuwendung; wer dauerhaft wegsieht, wirkt schnell abwesend oder unsicher, auch wenn das gar nicht zutrifft.

Blickkontakt regelt außerdem den Gesprächsverlauf. Über Blicke zeigen Menschen, wann sie zu Ende gesprochen haben, wann sie das Wort übernehmen möchten und ob sie noch folgen. Zu viel Blickkontakt kann allerdings ebenso stören wie zu wenig: Ein starrer Blick ohne Pause wirkt bedrängend.

Blickkontakt gelingt in jeder Situation etwas anders. Im Zweiergespräch, in einer Runde und in einer Videokonferenz helfen jeweils eigene Mittel.

Blickkontakt je nach Situation
SituationWas hilftWas eher stört
Zweiergesprächdas Gegenüber ansehen und den Blick zwischendurch kurz lösen, etwa beim Nachdenkenununterbrochenes Starren oder ständiges Wegsehen
Gruppe oder Besprechungbeim Sprechen nacheinander verschiedene Personen ansehen, jeweils für einen Gedankennur die ranghöchste oder die freundlichste Person ansehen
Vor Publikumeinzelne Personen in verschiedenen Bereichen des Raums ansprechenüber die Köpfe hinwegsehen oder nur auf Notizen und Folien blicken
Videokonferenzbeim Sprechen in die Kamera schauen, die Kamera etwa auf Augenhöhe stellenbeim Sprechen nur auf das eigene Bild oder auf andere Fenster blicken

Blickkontakt online ist eine eigene Herausforderung, weil Kamera und Bildschirm an verschiedenen Stellen liegen. Wer auf das Gesicht des Gegenübers am Bildschirm schaut, scheint für die anderen leicht an ihnen vorbeizusehen. Hilfreich ist, an wichtigen Stellen bewusst in die Kamera zu sprechen und das Fenster mit den Gesprächspartnern nah unter die Kamera zu schieben.

Welche Rolle spielen Raum und Distanz?

Raum und Distanz sind der Teil der Körpersprache, der beschreibt, wie nah Menschen einander kommen und wie sie sich im Raum aufstellen. Jeder Mensch hat ein Gefühl dafür, welcher Abstand angenehm ist; dieses Gefühl hängt von der Beziehung, der Situation und der Kultur ab.

Der passende Abstand richtet sich nach der Beziehung: Vertraute stehen näher beieinander als Fremde, ein Gespräch unter Kollegen braucht mehr Raum als eines unter Freunden. Tritt jemand einen Schritt zurück, war der Abstand vielleicht zu gering. Auch die Aufstellung wirkt: Wer schräg zum Gegenüber sitzt, wirkt meist weniger konfrontativ als jemand direkt gegenüber.

Welche Mythen über Körpersprache gibt es?

Mythen über Körpersprache entstehen, wenn einem einzelnen Signal eine feste Bedeutung zugeschrieben wird. Körpersignale sind jedoch mehrdeutig. Erst der Zusammenhang aus Situation, mehreren Signalen und dem Gesagten erlaubt eine vorsichtige Einschätzung.

Verbreitete Annahmen und was sich sagen lässt
Verbreitete AnnahmeWas sich sagen lässt
Verschränkte Arme bedeuten Ablehnung.Verschränkte Arme können auch heißen, dass jemand friert, bequem steht, nachdenkt oder schlicht nicht weiß, wohin mit den Händen.
Wer sich zurücklehnt, ist desinteressiert.Zurücklehnen kann Entspannung, Nachdenken oder einen bequemen Stuhl bedeuten; Interesse zeigt sich eher im Zusammenspiel mit Blick und Reaktionen.
Je mehr Blickkontakt, desto besser.Ein Blick ohne Pause wirkt schnell bedrängend; angenehm ist ein Wechsel aus Ansehen und kurzem Wegsehen.
Hände in den Taschen wirken arrogant.Je nach Situation wirkt diese Haltung lässig, unsicher oder einfach entspannt; in förmlichen Situationen ist sie eher unpassend.
Körpersprache lässt sich wie ein Wörterbuch lesen.Ein und dasselbe Signal kann Verschiedenes bedeuten; Deutungen bleiben Vermutungen, die sich im Gespräch prüfen lassen.
Gute Körpersprache ist eine Sammlung von Tricks.Einstudierte Gesten wirken oft aufgesetzt; stimmig wirkt Körpersprache, wenn sie zur Person und zum Inhalt passt.

Körpersprache richtig einzuordnen heißt deshalb, Signale als Frage zu verstehen statt als Antwort. Statt aus verschränkten Armen auf Ablehnung zu schließen, hilft eine offene Rückfrage, zum Beispiel in der Musterformulierung „Wie sehen Sie das?“.

Wie unterscheidet sich Körpersprache zwischen Kulturen?

Körpersprache ist zu einem großen Teil kulturell geprägt. Gesten, Blickverhalten, Begrüßungen und der übliche Abstand im Gespräch werden in verschiedenen Ländern und Gemeinschaften unterschiedlich gelernt. Was an einem Ort freundlich wirkt, kann an einem anderen als unhöflich gelten.

Signale, die je nach Kultur anders verstanden werden
SignalMögliche Unterschiede
BlickkontaktMancherorts gilt direkter, längerer Blickkontakt als offen und ehrlich, andernorts gegenüber Älteren oder Vorgesetzten als respektlos.
Abstand im GesprächDer als angenehm empfundene Abstand ist nicht überall gleich; was die eine Seite als freundlich nah empfindet, ist der anderen zu nah.
BegrüßungHandschlag, Verbeugung, Wangenkuss oder Begrüßung ohne Berührung sind je nach Kultur und Anlass üblich.
HandzeichenDaumen hoch oder das aus Daumen und Zeigefinger gebildete Ringzeichen gelten nicht überall als positiv.
KopfbewegungenNicken und Kopfschütteln werden nicht überall gleich gedeutet.
Zeigen mit dem FingerIn manchen Kulturen gilt das Zeigen mit dem ausgestreckten Zeigefinger als unhöflich.

Kulturelle Unterschiede in der Körpersprache lassen sich nicht vollständig auswendig lernen. Wer mit Menschen aus anderen Kulturen arbeitet, fährt gut damit, zurückhaltend zu beginnen, das Gegenüber zu beobachten und bei Unsicherheit freundlich nachzufragen.

Wie setzt man Körpersprache im Gespräch ein?

Körpersprache im Gespräch zeigt vor allem, ob jemand wirklich zuhört. Wer zugewandt sitzt, das Gegenüber ansieht und auf das Gesagte reagiert, macht ein Gespräch leichter, gerade wenn es um schwierige Themen geht.

  1. ZuwendenOberkörper und Gesicht zum Gegenüber drehen, das Handy beiseitelegen.
  2. Zuhören zeigenMit Kopfnicken und kurzen Signalen begleiten, zum Beispiel einem Nicken mit „Ich verstehe“ als Muster.
  3. Blick halten und lösenDas Gegenüber ansehen, den Blick beim Nachdenken aber auch kurz abwenden.
  4. Abstand achtenEinen Abstand wählen, bei dem sich beide wohlfühlen, und auf Rückzugssignale achten.
  5. Stimmigkeit prüfenBei einer wichtigen Aussage darauf achten, dass Gesicht und Haltung zum Gesagten passen.
  6. Nachfragen statt deutenWirkt das Gegenüber verschlossen, lieber offen fragen als ein Signal zu deuten.

Welche Körpersprache hilft vor Publikum?

Körpersprache vor Publikum folgt denselben Grundlagen wie im Gespräch, nur größer und bewusster. Ein fester Stand, freie Hände, Blickkontakt mit einzelnen Personen im Raum und gezielte Bewegung helfen, damit das Publikum der Botschaft folgt. Eine Übersicht mit Stand, Händen, Blick und Bewegung im Raum steht im Beitrag Präsentation halten: Tipps für sicheres Auftreten.

Nervosität zeigt sich vor Publikum oft zuerst im Körper, etwa durch unruhige Hände oder einen gesenkten Blick. Hinweise zum Umgang damit stehen im Beitrag Lampenfieber überwinden, die Grundlagen der Redekunst im Beitrag Rhetorik: Bedeutung, Stilmittel und Übungen.

Welche Übungen verbessern die Körpersprache?

Körpersprache lässt sich üben, am besten in kleinen Schritten und mit einem Punkt pro Übung. Wer versucht, alles gleichzeitig zu ändern, wirkt schnell verkrampft.

  1. Sich selbst aufnehmenEin kurzes Statement per Video aufnehmen und einmal ohne Ton ansehen, nur auf Haltung, Hände und Gesicht achtend.
  2. Stand übenVor dem Sprechen beide Füße fest aufsetzen, das Gewicht gleichmäßig verteilen und die Schultern locker lassen.
  3. Gesten bewusst einsetzenBeim Erzählen einer Aufzählung die Punkte mit den Fingern mitzählen und Größen mit den Händen zeigen.
  4. Blickkontakt in Gruppen übenIn der nächsten Besprechung bei jedem Gedanken eine andere Person ansehen.
  5. Kamerablick trainierenIn einer Videokonferenz bewusst einen Satz direkt in die Kamera sprechen.
  6. Rückmeldung einholenEine vertraute Person nach genau einer Sache fragen, etwa: Wirkten meine Hände ruhig?

Gibt es einen Workshop zum sicheren Präsentieren?

Chrischan Bublitz bietet den Workshop „Von der Nervosität zur Souveränität – Sich selbst und / oder sein Thema sicher präsentieren“ an. Der Workshop dauert variabel 2, 4 oder 8 Stunden. Zu den möglichen Schwerpunkten gehören der eigene Auftritt mit Haltung, Stimme und Blickkontakt, der Aufbau eines Themas und der Umgang mit Fragen oder Unerwartetem.

Chrischan Bublitz ist in Nordrhein-Westfalen buchbar, die Preise nennt er auf Anfrage per E-Mail. Mehr zu Dauer, Schwerpunkten und Anfrage steht auf der Seite Präsentationstraining mit Chrischan Bublitz.

Häufige Fragen zur Körpersprache

Was versteht man unter Körpersprache?

Unter Körpersprache versteht man die Verständigung ohne Worte. Dazu zählen Haltung, Gestik, Mimik, Blickkontakt sowie Nähe und Abstand zu anderen Menschen. Sie begleitet das Gesagte und kann es verstärken oder ihm widersprechen.

Bedeuten verschränkte Arme Ablehnung?

Nicht unbedingt. Verschränkte Arme können Ablehnung ausdrücken, aber ebenso Kälte, Bequemlichkeit oder Nachdenken. Ob ein Signal etwas Bestimmtes bedeutet, lässt sich nur im Zusammenhang mit der Situation und dem Gespräch einschätzen.

Wie lange sollte man Blickkontakt halten?

Eine feste Regel gibt es nicht. Angenehm wirkt ein Wechsel aus Ansehen und kurzem Wegsehen; vor einer Gruppe hilft es, eine Person etwa für die Dauer eines Gedankens anzusehen und dann zur nächsten zu wechseln.

Wie hält man in einer Videokonferenz Blickkontakt?

In einer Videokonferenz entsteht Blickkontakt, wenn beim Sprechen in die Kamera statt auf den Bildschirm geschaut wird. Eine Kamera auf Augenhöhe und ein Gesprächsfenster direkt darunter erleichtern das.

Ist Körpersprache in allen Kulturen gleich?

Nein. Viele Gesten, Begrüßungen, der übliche Gesprächsabstand und die Regeln für Blickkontakt unterscheiden sich zwischen Kulturen. In fremdem Umfeld helfen Zurückhaltung, Beobachtung und eine freundliche Nachfrage.

Kann man Körpersprache lernen?

Ja, zumindest den bewussten Umgang mit ihr. Videoaufnahmen, Rückmeldungen und gezielte Übungen zu Stand, Gestik und Blickkontakt machen Gewohnheiten sichtbar und lassen sich Schritt für Schritt verändern.

Workshop zum sicheren Präsentieren anfragen

Preise und Termine erhalten Sie auf Anfrage. Die E-Mail ist schon vorbereitet.

E-Mail an chrischbublitz@gmail.com